Pleiten, Pech und Pannen
Oder auch: Pfeifen, Penner und Parasiten

Kleines Vorwort

Zur Abschreckung oder Anregung steht hier alles was mir im Laufe der Zeit passiert ist. Aber zuerst möchte ich allen danken die es mir ermöglicht haben das Projekt überhaupt zu beenden. Allen voran meinem Bienchen, meinem Freund Sven Bütow von der Fa hb-Fahrzeugtechnik und nicht zuletzt Christian Tost von der Fa. Tost-Motorsport. Allen anderen die für mich Zeit hatten und da waren als ich sie brauchte, möchte ich meinen Dank ebenso aussprechen, auch wenn sie hier nicht Namentlich erwähnt sind. All denen die einen Gedanken daran verschwendet haben ein Rennauto selbst zu bauen sei gesagt:
Lasst es!!!!!! Kauft euch lieber ein Fertiges!!! Das ist viel billiger und genug zum Basteln bekommt ihr so oder so, wenn ihr damit fahrt. Für alle die so beknackt sind wie ich soll das hier eine kleine Hilfe sein wie es gehen kann. (oder auch nicht) Als erstes solltet ihr eine Garage oder einen Stellplatz haben wo ihr auch bauen könnt, denn es könnte (und wird) länger dauern als ihr denkt. Da es haufenweise unseriöse Subjekte im Bereich Motorsport gibt, empfehle ich ein Blick ins Internet. Und zwar nicht die Seiten der “Tuning-Firmen” sondern Foren in denen sich Leute treffen die schlechte Erfahrung gemacht haben (oder vielleicht auch gute). Mir hätte das einigen Ärger erspart, aber leider habe ich mich nicht genau erkundigt. Kauf nichts bei Leuten die erzählen sie seien die Größten, die sind es gerade nicht (meistens jedenfalls). Das dient nur dazu den Preis in die Höhe zu treiben. An die Leute die wirklich wissen wie es geht, kommt man nur sehr schwer ran, weil sie durch ihre gute Leistung schon genug zu tun haben. Und selbst wenn sie euch dann den Schrott zurücknehmen, zahlt ihr das Hin- und Rück-Porto. Wenn ihr eine Lieferung bekommt dann prüft sofort ob das Zeug passt, sonst könnt ihr Ärger mit der Rückgabefrist bekommen.

Der Motor

So, und jetzt versuche ich es so kurz wie möglich zu machen. Fangen wir beim Motor an:Ich habe mir aus England eine Stahl-Kurbelwelle bestellt. Als sie ankam, fehlten die Verschlussschrauben für die Ölbohrungen. Als die Schrauben nach drei Monaten ankamen, hatte ich sie mir schon selbst besorgt. Aber das Merkwürdige an der Sache war, dass die Komiker behaupten, sie würden die Kurbelwelle immer mit den Verschlussschrauben wuchten. (Hä? um sie dann wieder raus zu schrauben???) Man sollte eben im Ursprungsland von BSE nicht zu viel Rindfleisch essen. Ich habe also die Welle nochmal mit den Schrauben wuchten lassen. Selbstverständlich passte das Zeug nicht einfach so in den Motor, das sagt einem natürlich keiner, merkt man aber trotzdem 😉

Also musste das Kurbelgehäuse bearbeitet werden…

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Aber auch an der Ölwanne gab es Kontaktspuren die bearbeitet werden mussten. Wie man an der roten Dichtmasse erkennen kann, haben wir (blauäugig wie wir sind) die Ölwanne schon eingedichtet.

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Da es keine Ölpumpe mit größerer Fördermenge und einer Spritzgalerie für die Kolbenkühlung gibt,

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muss man aus zwei Pumpen eine machen und noch basteln.

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Der Fächerkrümmer

Der erste Fächerkrümmer den ich bekommen habe sah zwar geil aus, passt aber nicht. Es sei denn ich hätte den Starter weggelassen.

Dann habe ich einen gebrauchten RS-Krümmer bekommen, der ursprünglich von einer Firma aus Augsburg kam und wohl keiner mehr haben wollte. Kein Wunder: sieht nicht nur scheiße aus, ist auch scheiße! Der Schweißnähte sahen aus… ein Vogel scheißt homogener. Aber dafür hat er ohne Probleme gepasst.

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Anschließend wurde mir ein Krümmer angeboten, den eine Firma in Finnland hergestellt hat. Sieht geil aus, ist aber auch scheiße. Und obendrein kostet er auch nur die Kleinigkeit von 600 Euro.

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Als das geschafft war musste der Krümmer noch ans Fahrzeug angepasst werden. Wie man an der dunklen Verfärbung des Rohrbogens sehen kann, habe ich die Rohre glühend gemacht um den Krümmer überhaupt in den Motorraum zu bekommen.
Gepasst hat er natürlich auch nicht. Ich weiß ja nicht, ob die Finnen die Kardanwelle direkt am Motor haben, ich habe da noch nen Getriebe zwischen. Also musste ich erstmal dafür sorgen, dass das Ding am Getriebe vorbei geht. Nachdem ich den Krümmer praktische neu konstruiert und gefertigt habe, hat er auch gepasst.

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Und warum die Flansche an einem Rennkrümmer nicht mal so groß sind wie die serienmäßige Dichtung, versteht man wohl nur in Finnland… Smörebröd, Smörebröd, römmpölmmplömmplömm

Vier Tage habe ich mit Hilfe eines Freundes an dem Schrottding gebogen und geschweißt. Aber gebracht hat es nichts. Außer Arbeit, denn unter 4500 1/min war der Motor kaum fahrbar.

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Jetzt habe ich einen Krümmer, von einem völlig unbekannten Typen und siehe da: Das Ding sieht halbwegs aus, er passt und was am wichtigsten ist, er bringt Leistung! Ach ja und anders als bei allen Bisherigen, ist er aus Edelstahl.

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Die Ansaugbrücke

Dann habe ich mir eine Ansaugbrücke bestellt und mich über den besonders steilen Winkel gewundert, bis ich erfuhr, dass sie für eine Drosselklappen-Einspritzung war und nicht für Doppelvergaser. (Wer baut auch schon einen 16V-Motor mit Doppelvergaser?… Mann ich, wer sonst?!)
Selbstverständlich habe ich das Ding vorher bearbeitet, Schweißen und Planen lassen und das gab es natürlich auch nicht umsonst…

 

 

Kolben und Pleuel

Dann bin ich an einen Typen namens Lüpertz geraten. Ich habe bei diesem Subjekt Kolben und Pleuel bestellt. Mein Anwalt hat Unterlagen aus denen hervorgeht, dass er schon wegen Betrug, Unterschlagung und Anderem angezeigt wurde. Leider windet er sich immer wieder raus. Bestellt bei ihm nichts wenn ihr Vorkasse leisten müsst, ihr werdet die Ware sehr wahrscheinlich nicht bekommen und müsste euch – wie ich – die Anzahlung per Gericht wiederholen. Wenn ihr das Geld überhaupt wieder bekommt! Lüpertz bietet auch Stinger Einspritzanlagen an und auf der Homepage von Stinger wird vor ihm gewarnt, weil er auch dort nicht gezahlt hat. Viel Spaß beim bestellen, ich habe ja Doppelvergaser 😉 


Das, was auf diesem Bild zu sehen ist, hat die Fa. Tost Motorsport geliefert:

 

Flachriemenantrieb

Der Flachriemenantrieb den es für diesem Motor gibt, fluchtete überhaupt nicht und musste angepasst werden.
Unter der Riemenscheibe der Lima musste ich eine Distanzscheibe legen und von der Kurbelwellen-Riemenscheibe musste ich etwas abdrehen… was machen nur Leute die kein KFZ-Mechaniker oder Werkzeugmacher sind?

Selbstverständlich war der mitgelieferte Riemen zu lang. Und den passenden gab es natürlich nicht in 6PK sondern nur in 4PK.

 

Die Kupplung

Die angefertigte Cosworth Kupplung passte überhaupt nicht in die Getriebeglocke, weil alle angefertigten Kurbelwellen neun Befestigungsschrauben (also wie Cosworth Turbo) haben und dann ist ,,für alle klar”, dass ich auch ein T5 Borg Warner Getriebe fahre. Bei dem Getriebe ist die Getriebeglocke größer, weil auch die Schwunscheibe größer ist. Ich fahre aber ein OHC-Sierra Getriebe (T9) und da ist die Getriebeglocke kleiner. (… wer macht denn auch sowas?)
Achso, die Alu-Schwungscheibe war dann konsequenterweise auch zu groß. Die ganze Kupplung saß wie ein Korken in der Getriebeglocke.

Die neue (richtige) Kupplung hat eine andere Bauhöhe und einen kleineren Kuppelweg, dadurch war der Hub des Zetralausrückers zu groß. Da die Befestigung der neuen Kupplung anders ist brauchte ich natürlich auch eine andere Schwungscheibe.

Also: Basteln!

Im Übrigen kann ich keinem raten auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, seine mit Seilzug betätigte Kupplung auf Hydraulik umzubauen. Außer konstruktiven Problemen, nerviger Wartung und Geldverschwendung bring es nichts! Man brauch nähmlich zu allem Überfluss noch einen anderen Pedalbock!
Bei der 1. Bestellung wurden noch bestimmte Zylindergrößen vereinbart. Aber der 1. Pedalbock der kam war falsch, der 2. hatte keinen Zylinder für die hydraulische Kupplungsbetätigung und bei dem 3. waren dann (durch das ganze hin und her) die Zylinder in der falschen Größe.
Also am Besten garnicht erst anfangen mit dem Mist, eine Kupplung lässt sich auch einwandfrei mit einem Seilzug betätigen.

Die Kardanwelle

Die bestellte Kardanwelle, natürlich speziell für Rennzwecke, war selbstverständlich auch unbrauchbar. Durch die Vibration die sie im Betrieb erzeugte, wurde mein Getriebe beschädigt.

 

Der Reparatur der Kardanwelle war genau so teuer wie ein Neue. Und selbstverständlich waren die Vibrationen danach nicht weg, weil man ein Kreuzgelenk als Uhrsache vermutete und die Welle, bornierter Weise, nicht gewuchtet wurde. Wenn ich mir gleich eine Neue gekauft hätte, wäre ich billiger dabei weg gekommen und hätte jetzt sogar zwei davon.

 

Die Kotflügel

Dann habe ich bei so nem Suppenkasper aus Augsburg (wahrscheinlich Jim Knopf und seine Lokomotive) ein paar Original-Kotflügel bestellt (sacht mal, hatten wir den Typen nicht schon?). Diese Pappnase hat mir die abenteuerlichsten Geschichten erzählt, warum die Dinger nicht angekommen. Nebenbei hat er sich noch über die Konkurrenz beschwert, dass die so viel Geld machen, dass sie sich einen Glaspalast bauen können (Hähä was’n Wunder). Nach einem Jahr habe ich mir dann Zubehör-Kotflügel gekauft. Da die aber einen anderen Radausschnitt haben, musste ich aus Holland ein paar Kunststoff-Radläufe bestellen, den Kotflügel ,,beschneiden” und die Kunststoff-Radläufe anpoppen.

 

Der Haubenverschluss

Da ich Gruppe H fahre darf meine Haube nicht mit dem original Haubenverschluss verrigelt sein. Aus diesem Grund muss ich Verschlüsse benutzen, die sich von Außen öffnen lassen.
Ja, ich weiß, das ist doch nicht schlimm. Aber jetzt kommts: Ich dachte ich bin ein Fuchs und werde die Haubenstütze weglassen um Gewicht zu sparen.
Der Nachteil ist, wenn man aus irgendeinem Grund das Auto verlassen muss, dann muss man die Haube wieder runter lassen. Und wenn man dann vergisst die Haube zu verriegeln, dann fliegt sie einem bei der Fahrt gegen die Windschutzscheibe, dass sieht dann so aus:

Geht lieber vorher aufs Klo! Das spart mehr Gewicht und ist auch noch sicherer! Davon habe ich verständlicherweise kein Foto 😉
So, wenn ich wieder ein wenig Zeit und Bilder hab, dann geht es weiter!

Pleiten, Pech und Pannen
Oder auch: Pfeifen, Penner und Parasiten